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Einzelhandelserfassung für Thüringen

Thüringen verfügt aufgrund seiner langen historischen Entwicklung über ein Netz von Städten, wie es in dieser gleichmäßigen Verteilung in keinem anderen Land der Bundesrepublik zu finden ist. Mit Ausnahme der Oberzentren Erfurt, Jena und Gera ist Thüringen ein homogen besiedeltes Land der Klein- und Mittelstädte. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Zersplitterung des Landes in eine Vielzahl kleiner Herzog- und Fürstentümer und die damit verbundene Dezentralisierung zu einer Aufwertung vieler Städte führte, die auch heute noch zu beobachten ist.

Diese polyzentrische Siedlungsstruktur ermöglicht eine ausgewogene, gleichmäßige und dichte Verteilung der mittelzentralen Funktionen. Die Zentralen Orte bilden damit den strategischen Kern der Thüringer Raumentwicklung. Mit ihrer Funktionsvielfalt sind sie Kristallisationspunkte im Zentrum-Umland-Gefüge und zugleich Knotenpunkte im Verkehrsnetz, Schwerpunkte für Wohnen und Arbeiten sowie Anbieter von Einrichtungen und Dienstleistungen zur angemessenen Versorgung nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihr Umland. Die räumliche Verteilung der Zentralen Orte gewährleistet eine angemessene Erreichbarkeit aus allen Teilen des Landes.

Der stationäre Einzelhandel ist ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge und trägt zu einer hohen Lebensqualität bei. So ist die Anziehungskraft der Innenstädte eng mit ihrer Attraktivität als Einkaufsstandort verbunden und steht in Wechselwirkung mit Dienstleistungs-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Der Einzelhandel ist damit einer der wichtigsten und prägendsten Wirtschaftszweige für funktionierende Innenstädte. In ländlichen Räumen sind es wiederum häufig die Standorte von Lebensmittelgeschäften und anderen Nahversorgungsangeboten, die über die reine Versorgungsfunktion hinaus Orte der Begegnung und des sozialen Austauschs schaffen.

Der stationäre Einzelhandel ist jedoch dynamischen Veränderungsprozessen unterworfen. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Konzentration der Verkaufsflächen auf immer weniger Standorte und die Verlagerung der Umsätze vom stationären Einzelhandel in den Online-Handel. Überlagert wurden diese Prozesse in den letzten Jahren durch die COVID-19-Pandemie. Die Folge sind Ladenschließungen und Angebotsreduzierungen.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, steuert die Raumordnung die Ansiedlung von Einzelhandelsgroßprojekten und begrenzt damit sehr große Einzelhandelsvorhaben außerhalb der Städte auf der grünen Wiese, die für die Entwicklung der Innenstädte besonders schädlich sind.

Für eine aktuelle und verlässliche Planungsgrundlage von Raumordnung und Landesplanung wurden bisher zwei Erhebungen zum Einzelhandelsbestands durchgeführt:

  • Bestandserhebung und -analyse der Einzelhandelssituation in Thüringen 2017/2018
  • Einzelhandelserfassung in Thüringen 2022/2023

Mit der Erstellung von kommunalen Einzelhandelskonzepten können die Städte und Gemeinden auch selbst aktiv werden und die Potenziale und Perspektiven ihrer Innenstädte ermitteln und Entwicklungsziele formulieren. Um dies zu unterstützen, stellt das TMIL allen interessierten Kommunen die Erfassungsdaten für ihre Planungen kostenfrei zur Verfügung.

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